Ich bin Radiomoderatorin. Es gibt nichts, was ich lieber wäre!
Und obwohl ich meinen Job sehr liebe, gibt es eine Sache, die ich daran verabscheue: Floskeln.

Es sind die alten Weihnachtskekse, die in der Dose übrig geblieben sind, weil sie keiner mag: Eigentlich sollte man sie wegwerfen, aber vorsichtshalber behält man sie dann doch. Es könnten ja einmal schlechtere Zeiten kommen.
Und plötzlich sind diese Zeiten echt da: Heißhunger auf etwas Süßes und keine Schokolade im Haus!
Die harten, ungefeierten Kekse müssen ran. Womöglich erwischt man sogar noch einen zuckerfreien aus Dinkelmehl.
Man hat keinen Spaß, während man isst.
Und danach schämt man sich ein bisschen dafür.

So, liebe Leser, ist es auch mit den Floskeln im Radio.
Hier ist eine Liste an Phrasendrescherei die ich 2017 – zumindest aus meinem Mund – nie wieder hören möchte!

  • Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht …
    klingt oberlehrerhaft. Und es kann sowieso niemand darauf antworten! Oft folgt darauf auch noch ein
  • Wer kennt das nicht/ Sie kennen das bestimmt …
    um DANN von einer völlig belanglosen Situation zu erzählen, über die unser Hörer bisher wahrscheinlich überhaupt noch nie nachgedacht hat, geschweige denn darüber, wie es ihm dabei geht.
  • Man muss auch einfach sagen, dass …
    Nein, muss man nicht. Man müsste tatsächlich einmal überhaupt nichts sagen!
  • Gleich geht’s weiter!
    Gehört auch zum Standardrepertoire eines Floskelwörterbuchs.
    Newsflash: Im Radio geht es IMMER weiter!
  • Sie haben es wahrscheinlich/vielleicht schon gehört …
    Here’s the thing: Wenn ich es gehört hätte, weiß ich schon Bescheid und muss nicht daran erinnert werden, es schon gehört zu haben. Wenn ich es aber noch nicht gehört habe, fühle ich mich jetzt so ausgeschlossen wie damals in der Puppenküche im Kindergarten und habe das Gefühl, uninformiert und von vorgestern zu sein.
  • Ich lass das jetzt einfach mal so stehen …
    ist ein beliebter Satz, um Gespräche oder Diskussionen zu beenden. Ehrlicher wäre: Weil ich einfach nicht weiß, was ich noch sagen soll.

    Auch als Nachrichtensprecher sind wir nicht davor gefeit, der Floskelei zu verfallen.

  • Am Mikrofon/ im Studio ist …
    Könnte man eventuell überdenken, weil: Herrje, wo denn sonst? Dass nicht von der Kantine oder dem Klo aus moderiert wird, dürfte wohl jedem Hörer klar sein!
  • Die Polizei fahndet fieberhaft.
    Wie erfreulich, dass sie nicht gleichgültig fahndet! „Fieberhaft“ aber auch nur in unserer Phrasenwelt. Die Polizei sucht eben. Mehr als suchen können sie nicht. Auch nicht, wenn es um unschuldige Opfer geht.
  • Die finanziellen Mittel des Landes seien nicht ausreichend, um …
    Was sind „finanzielle Mittel“? Geld!
    Oder sagen wir bei der nächsten Dating Night: „Schatz, lass stecken, ich hab genug finanzielle Mittel bei mir“? I don’t think so.
    Schlimmer ist nur noch:
  • In diesem Sinne …
    Eine der unsinnigsten Floskeln überhaupt! In welchem Sinne denn sonst als in diesem?!

Lebt wohl, liebe Phrasen! Ich lasse euch zurück mit dem Jahr, zu dem ihr gut passt: 2016.
In diesem Sinne: Rest in Peace.

 

Author

Christina

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