How to stop giving a fuck what other people think.

Seit diesem Sommer kennen wir alle die twenty one pilots und noch besser ihren Song ‘Stressed Out’. “Wish we could turn back time to the good old days… when the mama sang us to sleep but now we’re stressed out!“ Sie sind also ausgebrannt, soweit so nachvollziehbar.
Noch spannender ist die Textzeile, die dem Refrain vorangeht: „My name’s blurryface and i care what you think!“.
Was wir beim Autofahren so nebenbei mitsummen, hat mehr Sinn als es anfangs scheint. Ich höre mir das komplette Album an und merke: Oh oh, da macht sich jemand wirklich Gedanken beim Schreiben.
Aber wer beziehungsweise was ist ‚blurryface’?
Eine bekannte Stimme in ihm, in unser aller Köpfe. Es ist die Stimme ‚der anderen’. Manche von uns schaffen es besser, sich von ihr zu distanzieren als andere, kennen tun wir sie aber alle.

Blurryface symbolisiert unser Umfeld, auf dessen Meinung wir leider viel zu viel geben. Es ist auch die Furcht davor, was andere über uns denken und sagen KÖNNTEN, wie sie über unsere Entscheidungen urteilen, dass sie uns für unser Leben und dafür, Dinge anders zu machen, verurteilen.
Auch viele unserer Ängste gehen von blurryface aus. Sie basieren oft nicht auf eigenen Erfahrungen, sondern sind uns präzise eingepflanzt worden, zum Beispiel mit bösen Prophezeiungen. „So kannst du das doch nicht machen, das wird garantiert nie funktionieren!“
Oder: “Selbstständig machen? Work and travel? Ja, hast du denn keine Existenzängste?”
Was sind überhaupt Existenzängste? Ist das die Angst, nicht mehr zu existieren? Wohl kaum. Es ist ein übermächtiges Wort, das uns wahnsinnig einschüchtert. Aber was bedeutet es denn im allerschlimmsten Fall, auch einmal gewaltig zu scheitern?
Sich diesen individuellen Ängsten zu stellen und sie genau zu betrachten ist der erste Schritt in die richtige Richtung. Es nimmt uns ein wenig die Angst vor so großen Worten wie “Existenzangst”, “Lebensinhalt” oder “10-Jahresplan”.
Ist es tatsächlich die Angst vor einem neuen, unberechenbaren Leben, die uns daran hindert, Veränderungen vorzunehmen, Entscheidungen zu treffen, endlich zu springen, oder ist es eigentlich vielmehr die Angst, den Erwartungen anderer nicht mehr gerecht zu werden?

„… and i care what you think“.
Es kümmert mich, wenn du mich nicht magst. Es verletzt mich, wenn du meine Entscheidungen verspottest. Die Rechnung ist eine einfache: Je mehr Gewicht wir der Stimme geben, desto mächtiger wird sie über uns.
Blurryface schafft es umgekehrt also auch, uns in unseren Gefühlen zu lähmen und uns erstarren zu lassen. Wir vertrauen dann – in kleinen Entscheidungen sowie in großen Lebensfragen – auf das, was als gesellschaftlich anerkannt und erstrebenswert gilt, anstatt auf unser Gefühl, unsere Intuition zu hören.
Blurryface treibt uns an, in das Hamsterrad, das so viele Menschen antreiben, miteinzuspringen und uns zu fügen, für andere zu leisten, zu funktionieren.
Und blurryface liebt es am Ende des Tages, uns zu verspotten. Wenn wir doch all unseren Mut gefasst haben, einen neuen Weg beschreiten und er steinig wird, wenn wir etwas gewagt haben und scheitern, wenn wir den Mut wieder verlieren und an uns selbst zweifeln, dann gewinnt unser blurryface mehr und mehr an Macht, wenn wir uns nicht dagegen – und für uns entscheiden.

So wie auch die twenty one pilots. Im Song ‘Not Today’ treten sie blurryface direkt gegenüber: „You are out of my mind, you aren’t seeing my side.“ Wie wahr. „Du bist kein Teil meiner Persönlichkeit, du bist nicht ich! Du bist das, was mir andere Menschen mein Leben lang eingeredet haben! Aber du verschwendest all deine Zeit damit, hier in meinen Kopf zu kommen, denn ich höre dir nicht mehr zu!”
Es ist eine schnelle Therapie-Sitzung mit uns selbst, die wir jederzeit und überall anwenden können.
“Wieso hat die Kollegin gerade so seltsam gegrinst, als ich vorbeigegangen bin? Ich wusste es, mein Rock ist bestimmt zu kurz. Was werden meine Eltern wohl sagen, wenn ich ihnen eröffne, dass ich kündigen werde? Sie waren immer so stolz auf mich. In der Branche sollte ich wohl auf jeden Fall bleiben, das habe ich doch studiert. Mein Professor würde mir etwas erzählen, wenn er wüsste, dass ich eine Auszeit nehmen will… Und meine Freunde, was werden die sagen? Wie demütigend wäre es erst, wenn alles schief geht und am Ende gar nichts klappt!” STOP IT!
“In diesem Moment, in dem ich das denke, bin ich out of my mind. Ich bin gerade nicht ich selbst. Ich grüble jetzt über das, was andere mir eingetrichtert haben. Aber ich bin frei und kann denken und tun was ich will. Ich kann gehen, wohin ich möchte. Ich werde nicht sterben, wenn ich mir die Haare abrasiere, den anderen Teil blau färbe und das alle außer mir beschissen finden. Ich werde nicht sterben, wenn ich das Studium verkacke. Und ich werde auch nicht sterben, wenn ich schlimm scheitere! Im Gegenteil, ich werde leben, weinen und um viele Erfahrungen reicher werden.”
Versagen und Scheitern können wir übrigens prächtig vorbeugen, indem wir uns den Arsch aufreißen für die Ziele, die wir erreichen wollen.
Wenn wir unserem Herzen folgen und täglich konsequent mit Hingabe das tun, was wir können und lieben, ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir auf die Schnauze fallen, sogar relativ gering.
Falls aber doch, muss man nicht immer gleich den ganzen Plan infrage stellen, man kann auch seine Herangehensweise – erfahrener und schon klüger als vorher – verändern, dranbleiben, es wieder versuchen.

Wie unser Leben dabei für den Rest der Welt aussieht, sollte in erster Linie eines sein: Schnurzegal.
Die Gedanken/Wünsche/Erwartungen/Hoffnungen/Träume anderer Menschen über unsere eigenen zu stellen, kann nie und nimmer der Weg zu einem erfüllten Leben sein. Der Angst vor Kränkungen mehr Gewicht als unseren Visionen geben wird uns dort verharren lassen, wo wir schon immer waren.
Menschen werden sich immer über andere Menschen austauschen, ihre Entscheidungen infrage stellen, sie kritisieren, im schlimmsten Fall versuchen, sie durch den Dreck zu ziehen und zu verachten. Das alles passiert außerhalb unserer Kontrolle. Wir können und müssen es nicht verändern. Unser Part ist ein viel schönerer:  Uns mit Menschen umgeben, die uns gut tun. Menschen, die unsere Gedanken teilen, ähnliche Visionen und Träume haben, außerhalb ihrer Comfort Zone leben und die uns und unsere Art unser Leben zu leben geil finden! Die uns fordern und dazu beitragen, dass wir uns jeden Tag weiterentwickeln und die bestmögliche Ausgabe von uns selbst sein können. Diese positiven Menschen können uns allerdings erst finden, wenn wir zu uns selbst stehen und bereit sind, uns nach außen zu zeigen.

Sich viel mit anderen Menschen und deren Leben zu beschäftigen sagt einiges über jemanden aus. Dass er nicht in seiner Mitte ist, dass es ihm, aus welchem Grund auch immer, leichter fällt sich mit anderen, als mit sich selbst zu beschäftigen. Über andere zu lästern hat den trügerischen Effekt, sich erhaben zu fühlen. Man nimmt sich das Recht, zu urteilen und zu kategorisieren. Jede Minute, die Menschen damit verbringen, andere Menschen schlecht zu machen, beschäftigen sie sich NICHT mit sich selbst. Und das hat vermutlich einen saftigen Grund. Many gloat over their own troubles. Also: Weitergehen, nach vorne schauen und einer viel geileren, höhen Mission im Leben folgen!
Die großartige Yasmo formuliert es so: “Da ist kein Platz mehr für Zweifel, kein Platz mehr für Eitelkeiten! Hör’ auf mit dir selbst zu streiten, ja du willst die Welt begeistern, aber mit “ich trau mich nicht!” kommst du nicht weit! Du weißt es in dem Augenblick, also komm und sei frei!”

Mach einfach. Du musst nur dir etwas beweisen! Tritt blurryface in den Arsch.

Author

Christina

3 thoughts on “blurryface

  1. Aria on 2. Oktober 2016 at 12:25 Antworten

    Danke für diese Gedanken! Ich hadere leider auch immer viel zu oft damit, was “andere”so sagen…..ich kann mir zB einfach keinen 40Stunden Bürojob vorstellen, aber ich weiß, dass meine Eltern es gar nicht lustig fänden, wenn ich ihnen sage dass ich lieber als freischaffende Künstlerin arbeiten würde! Obwohl es doch mein Leben ist?!! Echt mühsam, dieses blurry face 😉
    Liebe Grüße, Ariane!

    1. Christina on 5. Oktober 2016 at 10:05 Antworten

      Hey Ariane! Ich glaube, viele haben diese Bedenken, wenn es um den klassischen 9-5-Bürojob geht! Dass du es dir schon einmal nicht vorstellen kannst und das offen vor dir selbst zugibst, ist schon der erste Schritt 😉 Gib dir Zeit.
      Du gehst deinen Weg, ganz bestimmt!
      Alles Liebe, Christina

  2. Martin Hasler on 3. Oktober 2016 at 13:06 Antworten

    du sprichst mir so aus der seele!!! DANKE!

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